Sie lassen sich gerade gemütlich auf Ihrem Balkon nieder, schon umschwirren Sie etliche Wespen: Passiert das häufiger, könnte ein Wespennest in der Nähe sein. Bestätigt sich Ihr Verdacht, sollten Sie umsichtig handeln. Ob und wie Sie ein Wespennest entfernen dürfen, erfahren Sie im Folgenden.
Wespennest entfernen – einfach oder nicht?
Wespen nisten gerne an geschützten, dunklen Nischen am Haus oder an Gartenlauben. Die papierartigen, rundlichen Nester finden sich oft unter Dachvorsprüngen, Hohlräumen an der Fassade, in Rollladenkästen, auf Dachböden, in Erdlöchern und Hecken.
Ab Juni schwärmen die Tiere vermehrt aus und können Menschen lästig werden. Vor allem im August stürzen sie sich auf alles Essbare, sodass Sie auf Balkon oder Terrasse kaum noch in Ruhe grillen oder Kaffee trinken können.
Im Herbst ist der Spuk dann vorbei, das Volk stirbt. Im April des nächsten Jahres gründet die Königin ein neues Volk und der Lebenszyklus beginnt von vorne. Das alte Nest wird dabei zwar nicht erneut genutzt, aber die Insekten können eine gewisse Standorttreue aufweisen und nebenan ein neues bauen.
Entdecken Sie ein Wespennest in Ihrer Nähe, möchten Sie es aus einem ersten Impuls heraus vermutlich so schnell wie möglich bekämpfen oder loswerden. Das ist verständlich, aber nicht so einfach möglich und auch nicht sinnvoll.
Wespen sind ein wichtiger Teil des Ökosystems. So dezimieren sie andere Insekten wie Mücken und Blattläuse, indem sie ihre Larven fressen. Allein deshalb sollten Sie gut überlegen, ob das Nest wirklich so störend ist, dass es entfernt werden muss. Darüber hinaus gibt es gesetzliche Vorschriften zum Umgang mit Wespen und Wespennestern.
Naturschutz und Wespen: Diese Vorschriften gelten
Wespen stehen unter Naturschutz, das heißt, es greifen die Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 39). Manche Arten wie Kreisel- und Knopfhornwespen sowie Hornissen haben nach der Bundesartenschutzverordnung einen besonders hohen Schutzstatus.
Nach dem Gesetz dürfen Sie Wespen nicht mutwillig stören, verletzen oder töten. Sie sollten also keinesfalls einfach selbst das Wespennest entfernen, sondern sich fachlichen Rat holen. Experten wie Schädlingsbekämpfer prüfen, ob überhaupt Gefahr von den Wespen ausgeht und wie in einem solchen Fall weiter zu verfahren ist.
Achtung, wenn Sie auf eigene Faust die Wespen bekämpfen, kann das teuer werden. Je nach Bundesland sind Bußgelder von bis zu 50.000 Euro möglich!
Woran erkenne ich ein Wespennest?
Wespennester sind typischerweise grau bis hellbraun – je nachdem, welches Holz die Tiere als Baumaterial verwenden. Dieses wird zerkaut, eingespeichelt und zu papierartigen, runden bis ovalen Nestern mit muschelartiger Oberfläche zusammengesetzt. Andere Insekten bewohnen ähnliche Bauten und es besteht Verwechslungsgefahr. Unsere kleine Übersicht hilft Ihnen bei der Identifizierung:
| Merkmal | Gemeine und Deutsche Wespe | Hornisse | Feldwespe |
|---|---|---|---|
| Nestfarbe | grau bis hellbraun | bräunlich/gelblich | grau (offene Waben) |
| Größe | fußballgroß oder größer | sehr groß (bis 60cm) | meist kleiner als eine Handfläche |
| Standort | dunkle Hohlräume, Erdlöcher | Baumhöhlen, Dachböden | offen, sonnige Plätze |
| Gefahrenpotenzial | höher (bei Störung) | sehr gering (sehr friedlich) | nahezu null |
Wespen werden oft mit Bienen verwechselt, bei den Nestern kann das nicht passieren. So bauen Wildbienen gar keine Nester, sondern nisten in Totholz- und Bodenlöchern. Die Nester von Honigbienen sehen völlig anders aus als Wespennester: Sie bestehen gut erkennbar aus Wachswaben.
Wespennest entdeckt und was jetzt?
Prüfen Sie zuerst einmal, ob überhaupt Flugbetrieb herrscht – also regelmäßig Tiere das Nest aufsuchen. Ansonsten handelt es sich um ein verlassenes Altnest und es besteht kein Grund zur Sorge. Ist das Nest bewohnt, sollten Sie wie folgt vorgehen:
- Halten Sie einen Sicherheitsabstand von zwei bis drei Metern zum Nest ein.
- Machen Sie in der Nähe der Wespen keine hektischen Bewegungen, sonst könnten sich die Tiere bedroht fühlen.
- Verschließen Sie das Einflugloch nicht und halten Sie die Flugbahn frei.
- Scheuchen Sie die Wespen nicht auf, indem Sie zum Beispiel gegen das Nest oder umliegende Bereiche wie Wände klopfen.
- Versuchen Sie auch nicht, die Wespen zu bekämpfen, indem Sie sie mit Wasser, Insektensprays oder Ähnlichem besprühen.
- Verzichten Sie auf intensive Deos oder Parfüms, solche Düfte reizen die Tiere oder locken sie an.
- Beobachten Sie die Situation für ein paar Tage: Ist eine friedliche Koexistenz möglich? Sind Kinder, Haustiere oder Allergiker in der Nähe, sollten Sie aus Sicherheitsgründen aktiv werden.
- Ist aus Ihrer Sicht ein Eingreifen nötig, informieren Sie den Vermieter. Als Eigentümer wenden Sie sich an einen Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung („Kammerjäger“). Eine erste Beratung zur Einschätzung der Lage bieten auch die lokalen Unteren Naturschutzbehörden (UNB), der Naturschutzbund (NABU e.V.) und manche Imker an.
Wespen „bekämpfen“, entfernen oder lassen?
Es muss nicht gleich die radikalste Option sein: Das Wespennest zu bekämpfen ist nicht immer notwendig. Sie haben grundsätzlich drei Möglichkeiten:
- Belassen: Wenn das Nest weit genug entfernt ist, können Sie bis zum Herbst warten. Nach dem ersten Frost ist das Volk gestorben und das leere Nest lässt sich entfernen. Verschließen Sie den Hohlraum und mögliche Nistplätze in der Nähe, so beugen Sie einer Wiederbesiedlung im nächsten Jahr effektiv vor.
- Umsiedeln: Das ist die tierfreundlichste und ökologischste Lösung. Fachleute ziehen die Wespen mitsamt Nest an einen anderen Ort um.
- Entfernung des Wespennests: Damit töten Sie die Tiere. Diese harte Maßnahme sollten Sie nur ergreifen, wenn eine akute Gefahr besteht und eine Umsiedlung nicht möglich ist.

Wespennest im Rollladenkasten – was tun?
Der dunkle, geschützte Hohlraum von einem Rollladen ist für Wespen ein besonders attraktiver Nistplatz – und für den Menschen problematisch. Wenn Sie den Rollladen betätigen, werden die Tiere aufgescheucht und fliehen womöglich durch die Gurtdurchführung in den Wohnraum. Sie können dann auch aggressiv reagieren und stechen. In diesem Fall sollten Sie den Rollladen bis zum Herbst nicht mehr nutzen und die Einflugstelle mit einem Fliegengitter verschließen.
Ist das nicht möglich, weil Sie zum Beispiel Ihr Schlafzimmer abdunkeln möchten, wenden Sie sich an einen professionellen Schädlingsbekämpfer oder Imker mit entsprechender Zulassung. Er wird dann das Wespennest umsiedeln oder entfernen. Gesetzlich ist das in diesem Fall erlaubt, weil durch die Stichgefahr ein triftiger Grund vorliegt. Der Fachmann kann auch die Art identifizieren und für besonders geschützte Wespen die behördliche Genehmigung für die Nestbeseitigung einholen. Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde (UNB), die beim Landratsamt oder der Stadtverwaltung angesiedelt ist.
Übrigens: Die Feuerwehr ist nicht für das Entfernen von Wespennestern zuständig! Sie dürfen sie nur rufen, wenn akute Gefahr für Leib und Leben besteht – die Wespen beispielsweise schon im Haus sind und ein Bewohner hochallergisch ist.
Wespennest entfernen durch Umsiedelung
Bei einer Umsiedelung entfernt ein Fachmann das Nest mitsamt der Tiere und transportiert es an einen besser geeigneten Nistplatz. Dafür zieht der Experten eine Schutzausrüstung an und setzt eine spezielle Umsiedlungskiste ein. Fliegende Wespen werden schonend mit einer Sauganlage in den Kasten befördert. Die Aktion erfolgt meist in den späten Abendstunden oder frühen Morgenstunden, wenn die meisten Wespen in Nest und relativ inaktiv sind. Das neue Zuhause der Wespen liegt in der Regel einige Kilometer entfernt in der freien Natur, damit sie nicht an den alten Standort zurückkehren.
Gut zu wissen: Nester lassen sich am besten früh in der Saison umziehen, wenn sie noch nicht tief in Hohlräume verbaut sind. Warten Sie also nicht zu lange, falls Sie eine Umsiedelung anstreben.
Wespennest entfernen durch Feuer, Wasser oder Zerschlagen?
Vor allem online kursieren fragwürdige Empfehlungen zum Thema Entfernung eines Wespennests. Insbesondere folgende Ratschläge sollten Sie keinesfalls befolgen – sie sind mit erheblichen Sicherheitsrisiken verbunden und / oder verstoßen gegen das Naturschutzgesetz:
- Das Anzünden eines Wespennests ist lebensgefährlich: Die papierartige Struktur brennt wie Zunder und das Feuer kanns schnell auf das Gebäude übergreifen. Außerdem werden die Tiere in ihrer Not extrem angriffslustig.
- Das Nest mit einem Gartenschlauch oder gar Hochdruckreiniger zu bearbeiten, ist ebenfalls eine sehr schlechte Idee. Die Wespen schwärmen nicht nur aggressiv aus, sondern das Wasser kann Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk oder in der Dämmung anrichten.
- Bei einem Zerschlagen des Nests sind Sie zwangsläufig sehr nahe an den Tieren und riskieren etliche Stiche.

Kosten Wespennest entfernen – wer bezahlt?
Ein Wespennest zu entfernen, kostet je nach Aufwand ungefähr zwischen 80 und 500 Euro. Wohnen Sie zur Miete, ist der Vermieter zuständig. Das ist dann der Fall, wenn das Wespennest die Nutzung der Wohnung oder des Balkons erheblich einschränkt. Dann liegt ein Mangel vor und der Vermieter muss die Kosten für das Entfernen des Wespennests tragen. Sie müssen als Mieter aber umgehend die Hausverwaltung oder den Vermieter informieren. Beauftragen Sie ohne Rücksprache selbst einen Fachmann, bleiben Sie womöglich auf den Kosten sitzen. Eine Ausnahme besteht im Notfall: Wenn zum Beispiel Lebensgefahr für einen Allergiker besteht oder das Nest einen Rauchabzug verstopft.
Als Eigentümer müssen Sie die Nestbeseitigung selbst bezahlen. Ausnahme: In Wohnanlagen kommt die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) dafür auf, wenn sich das Nest außen an der Fassade oder in einem Rollladenkasten befindet. Beides zählt zum Gemeinschaftseigentum.
Zahlt die Versicherung die Entfernung von Wespennestern?
Infrage kommen grundsätzlich die Hausratversicherung oder Wohngebäudeversicherung. In den normalen Basistarifen ist eine Kostenübernahme für das Entfernen eines Wespennests aber nicht enthalten, auch nicht bei der BavariaDirekt.
Einige Versicherungen bieten hierfür eine Zusatzpolice an. Diese heißt häufig „Haus- und Wohnungsschutzbrief“. Sehen Sie in Ihren Versicherungsunterlagen nach, ob Klauseln wie „Schädlingsbekämpfung im Notfall“ oder „Übernahme von Kosten für Fachfirmen bei Wespenplagen“ enthalten sind. In den entsprechenden Textpassagen steht dann auch, bis zu welcher Höhe die Kosten abgedeckt sind. Meist sind es maximal 500 Euro.
Neben den Kosten für die Entfernung des Wespennests übernimmt die Versicherung in der Regel auch die Beauftragung einer Schädlingsbekämpfungsfirma, da sie mit entsprechenden Betrieben zusammenarbeitet. Wenden Sie sich also zuerst an Ihre Versicherung, wenn Sie eine entsprechende Police besitzen.
Hausratschutz der BavariaDirekt – sicher bei Naturgefahren
Die Hausratversicherung der BavariaDirekt schützt zwar nicht vor Wespen, aber sie übernimmt die Kosten bei Schäden durch andere Naturgefahren, wie beispielsweise Elementargewalten. Durch sich häufende Extremwetterereignisse wird dieser Schutz immer wichtiger. Im Hausratrechner können Sie den Baustein zusammen mit dem Hausratschutz abschließen. Er ist allerdings nur für bestimmte Regionen verfügbar. Ob Ihr Wohnort dabei ist, sehen Sie bei der Eingabe der Postleitzahl.
Hausratschutz der BavariaDirekt – sicher bei Naturgefahren
Die Hausratversicherung der BavariaDirekt schützt zwar nicht vor Wespen, aber sie übernimmt die Kosten bei Schäden durch andere Naturgefahren, wie beispielsweise Elementargewalten. Durch sich häufende Extremwetterereignisse wird dieser Schutz immer wichtiger. Im Hausratrechner können Sie den Baustein zusammen mit dem Hausratschutz abschließen. Er ist allerdings nur für bestimmte Regionen verfügbar. Ob Ihr Wohnort dabei ist, sehen Sie bei der Eingabe der Postleitzahl.
Kann man Wespen oder Wespennestern vorbeugen?
Sie können einiges tun, damit sich erst gar keine Wespen in Ihrer Nähe niederlassen. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehören:
- Prüfen Sie gegen Ende des Winters Ihre Fassade und Rollladenkästen auf Spalten und Zugänge zu Hohlräumen. Dichten Sie diese ab.
- An Fenster und Türen können Sie Fliegengitter anbringen und so verhindern, dass die Tiere hier in Ritzen schlüpfen.
- Holzgartenmöbel und Zäune dienen gerne als Baumaterial, vor allem, wenn sie verwittert sind. Bessern Sie Schäden aus und behandeln Sie das Holz mit Lasuren und Ölen.
- Lassen Sie Essensreste und Biomüll nicht offen herumliegen, die Nahrungsquelle zieht Wespen an. Verwenden Sie geschlossene Komposter.
- Manchmal lassen sich Wespen von Nestattrappen Die sogenannten Waspinatoren gaukeln ihnen vor, dass der Platz schon von einem anderen Volk besetzt ist. Sie können es auch mit einer zusammengeknüllten, braunen Papiertüte probieren.
Hausmittel gegen Wespen
Möchten Sie das Wespennest nicht entfernen lassen, von den Tieren aber auch nicht umschwirrt werden, können Hausmittel helfen. Dazu gehören:
- Wespen mögen bestimmte Gerüche Ätherische Öle aus Duftlampen können sie vertreiben, als effektiv gelten Zitronengras, Nelke, Lavendel, Teebaum, Eukalyptus und Minze.
- Sie können auch einfach eine Scheibe Zitrone mit Nelken spicken und auf dem Tisch platzieren.
- Auch glimmendes Kaffeepulver ist einen Versuch wert.
- Stellen Sie Töpfe mit Basilikum und Tomatenpflanzen auf Ihren Balkon oder die Terrasse, Wespen meiden diese Pflanzen.
- Ob der Metallgeruch von Kupfermünzen hilft, ist umstritten. Möchten Sie es versuchen, dann reiben Sie ein paar Münzen zwischen den Händen und legen sie in Ihrer Nähe aus.
- Stellen Sie in fünf bis zehn Metern Entfernung eine Schale mit Futter Überreife Trauben gelten als besonders anziehend.
- Ein feiner Wassersprühnebel kann ebenfalls helfen, die Tiere zu vertreiben – und erfrischt im Sommer.
Bei allen Tipps gilt: Probieren geht über Studieren.
Ein Wespennest entfernen – muss nicht unbedingt sein
Entdecken Sie ein Wespennest, sollten Sie nicht panisch reagieren und die Wespen bekämpfen. Die nützlichen Insekten sind eigentlich ein gutes Zeichen, das die Natur in Ihrer Umgebung intakt ist. Die beste Lösung wäre, dass Sie den Sommer friedlich nebeneinander verbringen. Sind die Insekten allerdings ein großer Stör- oder sogar Gefahrenfaktor, sollten Sie das Nest entfernen lassen. Diese Arbeit darf nur von einem Fachmann erledigt werden – legen Sie keinesfalls selbst Hand an, das kann gefährlich sein und empfindliche Geldbußen nach sich ziehen. Prüfen Sie immer Ihre Versicherungsunterlagen: Manchmal sind die Kosten für eine Wespennestbeseitigung durch die Hausrat- oder Wohngebäudepolice abgedeckt und der Versicherungsservice übernimmt die Beauftragung des Fachbetriebs.
Sie möchten mehr über die Hausratversicherung erfahren? Unser Artikel verrät Ihnen, wie Sie Ihren Hausrat versichern und welche Schäden die Versicherung deckt. Im Sommer sind Wespen oft nicht die einzige Belästigung. Sind die Nachbarn zu laut, können Sie gegen die Ruhestörung vorgehen.
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Titelbild: stock.adobe.com/Julia Strochilina, Bild 2: stock.adobe.com/otterspeer.com Stock, Bild 3: stock.adobe.com/Daisy Daisy




